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Vier Jahre als Familie in Peru unter einfachen Bedingungen leben - kann man Kindern das antun?!

Unsere beiden Söhne werden gemeinsam mit uns in Curahuasi leben und die Grundschule bzw. den Kindergarten des Colegio Diospi Suyana im Dorf besuchen (siehe www.diospi-suyana.de/das-colegio-diospi-suyana/). Sie werden nach einiger Zeit fließend Spanisch sprechen und schon bald Freunde sowohl unter den Einheimischen als auch unter den anderen Missionarskindern haben. Natürlich werden wir nicht unseren deutschen Lebensstandard haben - aber wir glauben nicht, dass unsere Kinder den brauchen, um glücklich zu sein.

Ja, sie werden viel Armut und Leid sehen - aber auch erleben, wie wir gemeinsam Menschen helfen und ihnen Trost und Hoffnung geben können. Sie werden ganz natürlich lernen, dass Menschen ungeachtet ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft, ihrer Religion und ihres sozialen Standes von Gott geliebt und geachtet sind und unsere Wertschätzung verdienen.

Wir haben mit Bedacht den Zeitraum unseres Einsatzes so gewählt, dass wir zum Ende von Sems Grundschulzeit und rechtzeitig zu Joahs Einschulung wieder hier sein werden. Sie werden nach ihrer Rückkehr nach Deutschland Freunde in aller Welt haben und hoffentlich auch hier wieder gut Anschluss finden.

Sollten wir jedoch jemals Anlass zur Sorge haben, dass das körperliche oder seelische Wohl eines unserer Kinder gefährdet ist, wäre dies einer der wenigen Gründe für uns, vorzeitig nach Deutschland zurückzukehren. 

Wie, ihr seid dann „Missionare“?!

Der Begriff „Missionar“ ist nicht nur bei uns historisch negativ besetzt - auch in Peru. Der erste Zwangsbekehrte dort war Atahualpa, der Inka-Herrscher. Er wurde erst zwangsgetauft und dann hingerichtet. Die Botschaft von Diospi Suyana ist aber eine ganz andere: Gott liebt jeden Menschen, und wir müssen keine Angst vor ihm haben.

Körperliches Wohl ist wichtig - seelisches Heil mindestens genauso. Wir werden aber in Curahuasi genauso wenig wie hier daheim mit unserem Glauben hausieren gehen - dafür ist er uns viel zu wertvoll.
Was heißt also „Missionar“ sein für uns?

„Nichts schreit lauter als die Tat“ (Dr. Klaus-Dieter John, Krankenhausdirektor). Wir möchten den Quechua-Indianern Gottes Liebe durch medizinische Hilfe praktisch weiter geben, und wir werden offen dafür sein, mit Menschen über unseren Glauben zu sprechen und mit ihnen zu beten, sofern sie das selbst möchten.

Warum erhaltet ihr von Diospi Suyana kein Gehalt und müsst euren Aufenthalt komplett selbst durch Spenden finanzieren?

Das Hospital ist selbst hauptsächlich durch Spenden finanziert, die durch mühsame Vortragsreisen durch die ganze Welt gesammelt werden. Der Aufwand für Material und Betriebskosten ist für ein Krankenhaus nach europäischen Standards natürlich immens. Es können nur dann weiterhin mittellose Menschen behandelt werden, wenn die Personalkosten dadurch, dass die ausländischen Mitarbeiter das Krankenhaus nichts kosten, sehr niedrig gehalten werden. Einheimische erhalten ein landesübliches Gehalt. 

Zudem erreichen wir mit unserem eigenen Fundraising noch mal komplett andere Leute als Dr. Klaus-Dieter John, der Krankenhausdirektor, mit seinen Vorträgen. Die Spendenakquise verteilt sich also insgesamt auf viel mehr Schultern. Diospi Suyana wird so auch einem noch größeren Personenkreis bekannt - wir machen ja nicht nur auf unseren persönlichen Einsatz, sondern auch auf das Projekt im Allgemeinen aufmerksam. Dadurch werden evtl. nicht nur neue Spender, sondern auch neue potentielle Mitarbeiter gewonnen. Unser Fundraising ist also sozusagen ein Teil unseres Beitrages für das Projekt Disopi Suyana. 

Ist die Behandlung am Hospital für die Patienten umsonst und ist geplant, dass das Hospital eines Tages in die Hände der Einheimischen übergeben wird?

Für den Besuch einer Sprechstunde des Krankenhauses bezahlen die Patienten umgerechnet einen Euro. Sollte eine Behandlung beispielsweise mit Medikamenten oder eine Operation notwendig werden, berechnen Sozialarbeiter individuell, welchen Beitrag ein Patient abhängig vom Einkommen zu den Kosten leisten kann. Die restliche Summe wird über den spendenfinanzierten Wohltätigkeitsfond von Diospi Suyana gedeckt. 

Die Behandlung ist deshalb nicht umsonst, weil sie sonst als nicht wertvoll angesehen würde und weil das peruanische Gesundheitssystem nicht unterwandert werden soll.  Eine normale, unkomplizierte Entbindung zum Beispiel ist im örtlichen Gesundheitszentrum kostenfrei. Es wäre nicht sinnvoll, eine solche Leistung konkurrierend im Hospital kostenfrei anzubieten. 

Da die Quechua sozusagen eine vergessene Bevölkerungsgruppe sind, um deren Wohlergehen sich niemand kümmert, ist es nicht geplant, dass das Hospital in peruanische Hände übergeht. Die Qualitätsstandards könnten sonst genauso wenig gehalten werden wie die extrem niedrigen Kosten, die für die Patienten entstehen, indem ausländische Mitarbeiter ohne Gehalt dort arbeiten. Erfahrungsgemäß würde die teure Ausrüstung in andere Kliniken abtransportiert und die gute Behandlung für die verarmte Landbevölkerung wieder eingestellt. 

Es werden aber beispielsweise peruanisches Pflegepersonal und peruanische Medizinstudenten am Hospital ausgebildet. Das einheimische Personal erhält ein landesübliches Gehalt. Das Hospital ist mittlerweile der größte Arbeitgeber der Region.

Zudem investiert Diospi Suyana in die kommenden Generationen durch den Aufbau des Colegio Diospi Suyana, eine Schule in Curahuasi, die das Bildungsniveau der gesamten Region anheben und damit ermöglichen wird, dass in Zukunft viele junge Menschen werden studieren können - für die Quechua ein Novum!